Nach zwei Tagen bereits intensiver Spiele standen am Samstag und Sonntag die Entscheidungsrunden an. Die Schweizer Teams hatten sich eine gute Ausgangslage erarbeitet und konnten die gute Form mit der besten Platzierung einer Schweizer Delegation überhaupt bestätigen. Die Damen holten sich die Bronze-Medaille!
Samstag: Abschlusstag der U21
Es war wiederum die U21, die den Spieltag am Samstag für die Schweiz eröffnete. Die Nachwuchskategorien schliessen jeweils einen Tag früher als die Elite-Kategorien ab. Unsere Jungen traten im Viertelfinale gegen die Russen an. Der bis dahin unbekannte Gegner wies sich als zu stark für die zu wenig clever agierenden Schweizer heraus. Somit war die Medaillenchance vertan.
Anstatt im Halbfinale trat man nun die Platzierungsspiele für die Ränge 5 bis 8 an. Die jungen Schweizer zeigten gegen Polen eine überzeugende und überlegene Vorstellung. Das Schlussresultat von 6:3 widerspiegelt diese Dominanz jedoch zu wenig. Somit konnten die Nachwuchsathleten um Captain Andi Hug das Spiel um Platz 5 gegen die Gastgeber antreten. Auf dem Hauptspielfeld vor vollen Tribünen konnten die Franzosen dann ihren Heimvorteil ausnutzen. Die Eidgenossen lagen zwar über das ganze Spiel immer vorne, jedoch konnte der Gegner kurz vor dem Schlusspfiff noch ausgleichen. In der folgenden Verlängerung konnte Frankreich das Spiel dann durch einen strittigen und aus Schweizer Sicht unnötigen Penalty für sich entscheiden. Über die herbe Niederlage konnten sich unsere Jungs allerdings mit der Freude über die tolle Leistung und die Egalisierung des besten U21-Resultats in der Geschichte des Schweizer Kanupolo trösten. Das Team wird auch nächstes Jahr noch in der gleichen Zusammensetzung spielen und lässt auf Grosses hoffen an der Weltmeisterschaft 2018 in Welland, Kanada.
Vorentscheidungen der Damen und Herren
Die Schweizer Damen traten am Samstag in der oberen Zwischengruppe um den Einzug ins Halbfinale an. Gegnerinnen waren zuerst die Deutschen, gegen die man in der Vorrunde noch ein Unentschieden erreichte. Die Gegnerinnen waren also gewarnt und traten entsprechend entschlossen auf. Sie blockierten die angreifenden Schweizerinnen früh und erarbeiteten sich überlegene Chancen. Unsere Damen mussten das Spiel gegen die nachmaligen Europameisterinnen diskussionslos 0:5 preisgeben. Als zweites stand das Spiel gegen die Niederlande auf dem Programm. Nach einer knappen Niederlage in der zweiten Verlängerung des Bronzespiels an der letzten EM konnte die Schweiz dieses Mal mit einer starken Leistung das Blatt auf ihre Seite wenden. Mit dem 5:4 Endresultat stand der Halbfinaleinzug fest.
Nach der Niederlage gegen die Niederländer vom Freitag waren für die Herren am Samstag gegen Italien und Grossbritannien zwei Siege Pflicht, um es den Damen gleich tun zu können. Wegen einer nervösen und unkonzentrierten Leistung ging das erste Spiel gegen die stark agierenden Italiener jedoch deutlich verloren. Weil die Holländer aber anschliessend ebenfalls gegen die Italiener verloren, würde ein Sieg im abschliessenden Spiel gegen die Briten den Halbfinaleinzug aber trotzdem ermöglichen. Voraussetzung war jedoch eine Differenz von mindestens drei Toren.
Früh gingen die Schweizer in Führung. Doch die Tordifferenz schwankte immer wieder zwischen zwei und vier. Neben den Spielern standen sämtliche Zuschauer unter Höchstspannung. Auch die vielen Niederländer, die ebenfalls die Rechnung gemacht hatten und wussten, dass ein Halbfinaleinzug der Schweizer gleichzeitig das Aus der Holländer bedeuten würde. Ein Unentschieden wiederum hätte für Grossbritannien einen Halbfinalplatz bedeutet. Nach endlos scheinenden 20 Minuten erlösten unsere Herren dann ihre Fans mit den Fahnen und Kuhglocken mit einem 7:4 Sieg und schickten die Briten und Holländer ins Jammertal. Somit qualifizierten sich beide Schweizer für die Halbfinals vom Sonntag.
Sonntag: Finaler Spieltag
Während die U21-Spieler ihr gutes Abschneiden feiern gingen, konzentrierten sich die restlichen Spieler auf die grossen Aufgaben vom Sonntag. An diesem Morgen standen dann die Entscheidungsspiele auf dem Programm. Die Damen traten gegen die Lokalmatadorinnen an. Die Französinnen spielten konzentriert und mit der Unterstützung der zahlreich angereisten Fans unwiderstehlich. 0:3 stand es am Schluss aus Sicht der Schweizerinnen.
Auf die Herren wartete Deutschland als Gegner im Semifinale. Man kennt sich gut, einerseits von vielen Turnieren während der Saison, andererseits weil die meisten der Schweizer in der deutschen Bundesliga spielen. Entsprechend wussten die Gegner um die Stärken unserer Herren und konnten sie gezielt ausschalten. 3:0 gewannen die Deutschen die Partie und schickten die Schweiz in den kleinen Final.
Beide Schweizer Elite-Teams hatten also noch die Chance auf eine Medaille. Nach einem 4. Platz an der EM vor zwei Jahren waren die Schweizerinnen entschlossen, sich die Chance heute nicht entgehen zu lassen. Gegner waren die Britinnen, die sich aufgrund des Vorrundenresultates ihres Sieges schon sicher schienen. Ihnen waren aber die Strapazen der vergangenen Tage anzumerken. Unsere Damen konnten hingegen sämtliche letzten Kraftreserven mobilisieren und zeigten sich unschlagbar überlegen. Das einzige Tor, dass Grossbritannien zugestanden werden musste. Zwei Tore von Nina Luginbühl und je eines von Lisa Wenzel und Franziska Bartelt machten den Sieg der Schweizer Damen, den 3. Platz und somit den ersten Medaillengewinn einer Schweizer Kanupolomannschaft an einer Europameisterschaft perfekt! Die Freude bei unseren Damen war entsprechend riesig. Gross die Erlösung insbesondere für Captain Franziska Bartelt, die mit dieser Auszeichnung für ihren enormen Einsatz um die Entwicklung und den Aufbau des Schweizer Damen-Kanupolo belohnt wird.
Kleines Finale der Herren
Die Schweizer Herren verfolgten die letzten Minuten und den Triumpf ihrer Damen vom Spielfeldrand aus in voller Montur. Sie traten gleich anschliessend zu ihrem Abschluss-Spiel an. Im Angesicht dieses immens wichtigen Spiels und mit dem Wissen um die hohe Niederlage gegen denselben Gegner am Tag zuvor gingen die Eidgenossen hoch konzentriert ans Werk. Beide Teams schenkten sich nichts, um jeden Zentimeter wurde hart gekämpft. Nach einem umstrittenen Foul bekamen die Italiener einen Penalty zugesprochen. Der Schuss von Luca Bellini traf zwar nur das Aluminium, aber im Nachschuss konnten die Südländer das Skore um einen Zähler erhöhen. Ein Weitschuss von Bene Lagler kurz vor der Halbzeitsirene egalisierte den Spielstand wieder.
In der zweiten Halbzeit ging die Partie also wieder von vorne los. Gute Verteidigungsarbeit auf beiden Seiten führte zu wenigen Chancen, bis die Schweizer einen zentralen Schuss der Azurri passieren lassen mussten. Da sie es in der Folge nicht mehr schafften zu punkten, ging das Spiel zuungunsten der Helvetier aus. Die Medaille war zwar verpasst, unsere Herren konnten sich aber mit dem Wissen um eine starke Leistung und die Egalisierung ihres bisher besten Resultats in Mailand 2010 trösten.
Abschluss
Auf diese hervorragenden Leistungen können die Athleten, Trainer und Betreuer sowie die ganze Kanu-Schweiz Stolz sein. Die Teams haben gezeigt, dass die Schweiz im Kanupolo bei den ganz Grossen vorne dabei ist und dies trotz ihrer vergleichsweise sehr kleinen Basis an Spielerinnen und Spielern. Europameister bei den Herren wurden die Spanier vor den favorisierten Deutschen, bei den Damen siegte erwartungsgemäss Deutschland knapp mit 2:1 gegen Frankreich. Nun treten die Athleten die Heimreise an und beschäftigen sich bereits wieder mit den Schweizermeisterschaften, die in drei Wochen in der Zürcher Badi Letzigraben stattfinden werden.
Samstag, 26. August 2017 - Resultate
Zeit | Kategorie | Spielfeld | Team 1 | Team 2 | |
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9:20 | U 21 Viertelfinale | 4 | Schweiz | 3:9 | Russland |
10:00 | Herren Gruppe 1 - 8 | 2 | Italien | 7:4 | Schweiz |
10:00 | Damen | 3 | Deutschland | 5:0 | Schweiz |
12:40 | Klassierung 5-8 | 2 | Polen | 3:6 | Schweiz |
14:40 | Herren Gruppe 1 - 8 | 4 | Grossbritannien | 4:7 | Schweiz |
15:20 | Klassierung 5-6 | 1 | Frankreich | 5:4 | Schweiz |
16:00 | Damen | 3 | Niederlande | 4:5 | Schweiz |
Sonntag, 27. August 2017 - Resultate
Zeit | Kategorie | Spielfeld | Team 1 | Team 2 | |
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9:10 | Damen Halbfinale | 1 | Frankreich | 3:0 | Schweiz |
9:50 | Herren Halbfinale | 1 | Deutschland | 3:0 | Schweiz |
11:50 | Damen Kl. Finale | 1 | Grossbritannien | 1:4 | Schweiz |
12:30 | Herren Kl. Finale | 1 | Schweiz | 1:2 | Italien |
14:00 | Damen Finale | 1 | Deutschland | 2:1 | Frankreich |
15:00 | Herren Finale | 1 | Deutschland | 2:4 | Spanien |